Seit vorgestern bedroht eine unsichtbare Aschenwolkefast ganz Europa. Da wir Durschnittsmenschen schon seit längerem gewohnt sind, an die Wissenschaft zu glauben, scheint es uns fast so, als ob wir die Aschenwolke sehen würden. Der Luftverkehr ist über Europa gesperrt worden und für einen Tag war man stumm. Erstaunlich, da gibt esetwas Unanfechtbares, Naturgwolltes, Respektables. Dann verstrichen die Stunden, die Schonfrist, die unser Verstand dem Unbegreiflichen geben kann unddasDebattieren geht weiter. Autoritäten werden in Frage gestellt; alle werden zu Vulkanspeialisten, Meteorologen, Flugsicherheitsbeamten oder Flugsicherheitsbeamtinnen, das Radio und Fernsehen verbreitet Meinungen von Fachleuten zusammen mit Hörermeinungen, und im Getümmel von Meinungen bekommen wir in unserem Wohnzimmer das Gefühl, dass auch unser Flugzeug von der Anzeigetafel gestrichen wurde. Dann kontrollieren wir, ob die Aschenwolke über unserem Küchenfenster angekommen ist, und weil da immer noch der blaue Himmel scheint, verstehen wir überhaupt nicht, warum wir heute nicht nach Miami fliegen können.
Ich glaube wir modernen Menschen haben ein grosses Problem mit dem Ungewissen; wer von uns mslern erinnert sich nicht daran, wie uns die Unsicherheit über unsere Krankheit geplagt hat oder noch plagt.. Wenn wir uns durch dieses psychologische Nadelöhr erfolgreich hindurchgefädelt haben dürfen wir uns stolz Dipl.- Stressbewältiger nennen.